Jeder Mensch ist ein Stück Geschichte

Warum Biografie-Arbeit eine Bereicherung ist

Von Marithres van Bürk-Opahle

Seit zwei Jahren schreibe ich sie auf – Geschichten, die mir Menschen über ihr Leben erzählt haben.

Jede einzelne davon ist wertvoll: Für den Menschen, der sie erzählt, da er sich erinnert, sein Leben anschaut und bewertet, für die Person, die die Erzählung in Worte fasst, weil sie den einzelnen Geschichten Raum und einen sozialen und historischen Rahmen gibt. Und zuletzt für diejenigen, die diese Biografien lesen und so mehr über das Leben ihrer Eltern und Großeltern oder einfach aus der Zeit erfahren.

Einfach erzählen

Niemand hat sein Leben strukturiert im Kopf, sondern nur erzählte und erlebte Geschichten. Mit einem Handy lassen sich diese problemlos aufnehmen. Je länger wir erzählen, desto mehr Geschichten fallen uns wieder ein. Manchmal erinnern wir uns plötzlich wieder an Räume oder Begebenheiten, daher sollte es für das Erzählen mehrere Termine geben und sich Zeit lassen. Auch Fotos oder Erinnerungsstücke helfen, sich wieder in die Zeit hineinzuversetzen.

Dabei geht es nicht nur um Fakten - spannende Fragen sind auch: Wie habe ich mich gefühlt als Kind, als Jugendliche, als Erwachsene? Was waren meine Träume? Gab es Krisen in meinem Leben und wie habe ich diese bewältigt? Welche äußeren Ereignisse waren für mich wichtig, was ist in meinem Umfeld geschehen? Welche Jahreszahlen haben eine Bedeutung in meinem Leben? Bin ich zufrieden mit meinem Leben und warum? Wenn ich nicht zufrieden bin – was bleibt mir noch zu tun?

Raum und Rahmen geben

Nach dem Erzählen werden die Informationen geordnet und in zeitlicher Reihenfolge aufgeschrieben. Jahreszahlen werden zur zeitlichen Einordnung bei Bedarf nachträglich ermittelt oder Fotos als Ergänzungen in den Text eingefügt. Die Erinnerung kann als Erzählung geschildert werden, wichtige Aussagen werden als Zitate gekennzeichnet, eingefügte Informationen z.B. aus dem Internet mit Quelle gekennzeichnet, so dass auch noch später erkennbar ist, welche Aussage woher stammt.

Bewahren

Schritt für Schritt entsteht so die Erzählung eines Lebens. Die Biografie sollte Datum und Namen der Person, die sie geschrieben hat, enthalten. Um spätere Ergänzungen möglich zu machen, kann der Text als Datei gespeichert werden. Die fertige Biografie kann als Ausdruck an Kinder und Enkelkinder weitergegeben werden. Auch die Archive in der Region sind sehr an diesen Zeitdokumenten sehr interessiert.


Tipps: Biografie-Arbeit im Kreis Soest

  • Die evangelische Frauenhilfe Soest stellt in einem Seminar („Fluss des Lebens“) kreative Methoden für die individuelle Biografie-Arbeit vor; weitere Informationen auf der Website der Frauenhilfe Westfalen.
  • In Lippstadt treffen sich Interessierte themenbezogen und in einer festen Gruppe im „Biografischen Erzählcafé“ (Leitung Marlies Horst-Marx) im Rathaus der Stadt; weitere Informationen dort.

Für Anregungen und Kommentare: schreib@digitales-heimathaus.de