Lücken beim Engagement
Auch Unternehmen identifizieren Engagementlücken – zum Beispiel bei der Einsatzbereitschaft und dem Bindungsverhalten ihrer Mitarbeitenden. Wird das als Problem erkannt, entwickelt die Personalpolitik Strategien und Lösungsansätze. Dann stehen zum Beispiel die Verbesserung des „Mitarbeitererlebnisses“ oder die „Beschäftigtenwohlfahrt“ im Zentrum.
Wie sieht das beim freiwilligen Engagement aus – können dort überhaupt Lücken identifiziert werden?
Ein möglicher Weg zu solchen Lücken führt über die Frage, ob sich in den letzten Jahren etwas verändert hat. In den alle fünf Jahre erhobenen Freiwilligensurveys zeigt sich, dass nach einem starken Anstieg von 30 (1999) auf rund 40 Prozent (2019) für die letzte Erhebung 2024 ein leichter Rückgang zu verzeichnen ist. Dem wirkt etwas entgegen, dass die befragten Freiwilligen etwas mehr und häufiger Zeit aufbringen. Es gibt also in Deutschland ein recht stabiles und beständiges Angebot an freiwilligem Engagement. Allerdings sagt dies nichts aus über die lokale und regionale Verteilung oder einzelne Organisationen des Engagements. Ein einzelner Verein oder die freiwillige Feuerwehr vor Ort können also durchaus Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von Engagierten haben.
Auch die Engagementfelder sind über die letzten 25 Jahre relativ stabil: „Sport und Bewegung“ führen 2024 nach wie vor die Liste an. Danach folgen der „Soziale Bereich“ und „Kunst und Kultur“, die nach der letzten Befragung den Rang getauscht haben. Und gegenüber 2019 ist das Feld „Unfall- oder Rettungsdienst, Freiwillige Feuerwehr, Bevölkerungs-/Katastrophenschutz“ vom 10. auf den 8. Rang vorgerückt. Hier könnten aktuelle Ereignisse der Auslöser sein. Dieses deutschlandweite Engagementprofil lässt sich nicht auf jede Region oder Kommune übertragen. Die Gelegenheitsstrukturen sind örtlich sehr unterschiedlich ausgeprägt, was sich wiederum auch in der Höhe der Engagementquote zeigen dürfte; denn die Bereitschaft zum Engagement muss eine Möglichkeit zum Andocken finden. Dabei spielen nach wie vor Vereine eine große Rolle, in denen gut die Hälfte der Engagierten ein Betätigungsfeld findet.
Hier ergibt sich eine Brücke zu einer dritten Perspektive auf mögliche Engagementlücken. Denn es werden Leistungen für die Allgemeinheit bereitgestellt, die ohne das freiwillige Engagement nicht vorhanden wären, weil weder der Staat noch die Unternehmen in diese Bresche sprängen - Sportangebote oder kulturelle Veranstaltungen, Besuchsdienste im Altenheim oder Initiativen gegen die Verschwendung von Lebensmitteln fielen einfach weg.
Andersherum wird ein Schuh draus: Freiwilliges Engagement füllt manchmal Lücken, die Unternehmen hinterlassen haben. Beispiele dafür sind Dorfläden und Wohnprojekte. Doch Engagement füllt nicht automatisch den freien Raum. Hier braucht es gute Bedingungen, Information, Unterstützung und den Willen der Akteure, Lotse, Kümmerer und Förderer zu sein. (IG)
