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Hogi: „Der Eiswagen kommt“

Er hieß nicht Yogi, der blau-weiße VW-Bulli mit dem kleinen Schiebefenster an der Seite, sondern Hogi – die Signatur des Eismachers Horst Gilbert aus Kemminghausen. Woran sich aber heute noch jeder erinnern kann, der in den 1970er Jahren in Schüren aufgewachsen ist, ist der Klang der großen schweren Messingglocke, mit der Hogi sich schon während der Fahrt in jeder Straße ankündigte. Ein Geräusch, das umgehend hektisches Laufen in den Straßen und auf den Spielplätzen auslöste, um rechtzeitig mit einigen Groschen in der dreckigen Hand an der Ecke zu stehen. Wie traurig war es, wenn Mutter nicht reagierte auf den Ruf in den dritten Stock hoch: „Mama, komm mal an die Fensterküche!“

Der Bus mit dem Eis kam täglich durch die Siedlung, wenn das Wetter passte. Doch jeden Tag ein Eis – gehörte nicht zum üblichen Kinderprogramm in den 1970er Jahren, in denen die Eiskugel erst 10, später dann 20 Pfennige kostete. Manchmal schlichen sich die Kleinen zum Bus, blickten hoch zum Schiebefenster und bettelten um ein kaputtes Hörnchen. Und oft genug gab es einen Klecks Eis auf den Waffelbruch.

„Das war eine schöne Zeit“, sagt die Frau, die damals den Bus durch Schüren lenkte. „Es hat Spaß gemacht.“ Und winkt ab, wenn es um die Schmerzen geht, die auch zur Hogi-Tour gehörten: Zipperlein, mit der sich entzündete Sehnenscheiden nachhaltig melden. „Die schwere Messingglocke links, der Eisportionierer rechts“, sagt sie und zuckt mit den Schultern.

Der Hogi fuhr seit Ende der 1960er Jahre durch die Siedlung. Und er war nicht allein. Anfangs waren es vier oder fünf solcher Eiswagen, die durch Schüren kurvten. Manche Fahrer waren angestellt, manche selbstständig. „Einige haben so viel verdient, dass sie im Süden überwinterten“, erzählt eine Kennerin der Branche. Mit den vielen Kindern dort war es ein sehr attraktives Gebiet; denn die Haushaltspackung Eis aus dem Supermarkt steckte noch in den Baby-Schuhen der Produktentwickler. Heute dagegen findet sich der Eiswagen als eigenständiger Vertriebsweg nicht mehr in den Statistiken. Den Markt dominieren die industriellen Hersteller mit ihrem Markeneis über den Einzelhandel. Die rund 5.000 Eisdielen kommen auf einen Marktanteil von rund 14 % am aktuellen Pro-Kopf-Verbrauch von etwa 8 Litern im Jahr.

In Schüren war die nächste Eisdiele weit entfernt in Aplerbeck. Da war der Katzensprung raus zum Hogi sonntags deutlich kürzer, um den Nachtisch zu sichern. Einige kamen mit einer großen Schüssel zum Wagen, manche ließen sich den Schwipsi-Becher mit einem Schuss Eierlikör für die Erwachsenen einpacken. Auch die Hogi-Sahne war sehr beliebt. Entsprechend aufmerksam lauschten alle auf den Klang der Messingglocke.

Viel Platz im Inneren bot der Wagen nicht. Durch das kleine Fenster im Bus zu erkennen ist die Sahnemaschine. Direkt unter dem Schiebefenster reihen sich die Thermo-Zylinder mit Erdbeer-, Schoko-, Vanille- und Zitroneneis. Anfang der 1970er Jahre wurde noch mit Trockeneis in einer Plastikschale gekühlt, später dann elektrisch.

Der Hogi fuhr bis in die 1980er Jahre durch Schüren. (IG)

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